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Der Zustand nach Umbau und vor letztem Unfall:

Motorräder aus der Baureihe Suzuki SV650 gibt es viele, schließlich ist es ein Alltags-Mittelklassemotorrad. Was meine Maschine von der Masse abhebt, sind nicht nur die Umbauten, sondern auch ihre Geschichte, die ich hier etwas erläutern will.
Am besten fange ich mit dem Kauf an.
Die Entscheidung, mir eine SV650 zuzulegen, war eine sehr kurzfristige, also Spontankauf. Natürlich war ich durch meinen Vater der eine schwarze SV650N fuhr vorbelastet und insgeheim gefiel mir der kleine charakteristische V2 Motor sowieso.
Am einen Tag entdeckt, war sie am Nächsten schon gekauft (da sie am Übernächsten schon verkauft gewesen wäre) – Eine sehr gut erhaltene SV650N Baujahr 2001 in Candy Red mit etwa 26000km.
Obwohl noch sehr original, waren schon einige Umbauten vorgenommen (Wilbers Gabelfedern, Stahlflex, GSX-R Federbein, Reisetaschen)
Die ersten Umbauten ließen nicht lange auf sich warten, neben einer neuen Hecklackierung incl. Soziusabdeckung fanden auch VA-Kettenschutz, Hesa Lenkerendenspiegel, Chromgriffe, VA-Kennzeichenhalter, Kellermann Miniblinker, eine Straightbar und ein Leovince ESD ihren Weg ans Motorrad.
Viele schöne (und auch teure) Umbauten waren eigentlich nach und nach geplant, aber es sollte ganz anders kommen…
Es war als letzte Familienausfahrt geplant. Ein Verwandter wollte sein Motorrad verkaufen, also fuhren wir (mein Vater mit seiner, ich mit meiner Suzuki SV650N) Richtung Bayern. Der Tag war schön, etwas lang, am Spätnachmittag machten wir uns wieder auf den 230km langen Weg nach Hause.
Wir waren beide etwas übermüdet, die Quittung bekamen wir dann relativ schnell in einer Kurve… (Ich denke, man versteht, warum ich das nicht großartig breittreten will, nur anmerken…es ist der Grund für alles Folgende).
Lasst die Bilder auf euch wirken und seid immer wachsam im Straßenverkehr. Nur eines: Die Geschwindigkeit war für den Unfall nicht ausschlaggebend!
Wie heißt es so schön, jedes Ende ist auch ein Anfang… Manch einer hätte aufgegeben, sich nicht mehr gefangen und die Motorradfahrer verteufelt (und auch das Motorradfahren an sich), aber ich tat etwas anderes – ich fing an zu basteln und die Maschine wieder herzurichten.
Eigentlich das Sinnbild eines „Fighters“ wenn man so will, allerdings würde ich mich nicht in eine Schublade stecken lassen wollen. Es ist und bleibt ein (Radikal-)Umbau aufgrund einer denkwürdigen Basis.
Natürlich ist es schwer zu verstehen, wie man nach einem derartigen Ereignis wieder ans Basteln oder gar Motorradfahren selbst denken kann, ich sehe das aber ganz nüchtern. Für mich war das eine Bewältigung der Situation, ein Ausgleich (was es immer noch ist) und Ruhepol. Mein Vater (und das was ihn ausmachte) lebte durch und in meiner Bastelei für mich weiter – kompliziert und eigentlich nur wirklich verständlich, wenn man Ähnliches durchgemacht hat.
Zwischenstand:
Alle Maschinen wurden zerlegt und der Rahmen Meiner (die Rote) vermessen.
Wider Erwarten war dieser sogar in Ordnung, wenn man die Bilder nach dem Unfall bedenkt, eigentlich unverständlich.
Der Rahmen der Maschine meines Vaters war hingegen durch einen dicken Riss an einer Schweißnaht unbrauchbar (wie auch der größte Rest, obwohl kaum äußerliche Schäden zu sehen waren).
Demontage:
Ich stand nun vor der Wahl, mit Originalteilen aufzubauen oder aber etwas völlig Individuelles zu schaffen (zu dieser Zeit betrachtete ich noch die Ducati Monster als Vorbild). Da Original langweilig ist, entschied ich mich für letzteres…und so wurde eine gut erhaltene USD-Gabel von einer Suzuki GSX-R 750 Srad verbaut.
Über die Farbwahl war ich mir damals völlig Unklar, aber das war ja völlig nebensächlich (ich schwankte zwischen schwarz und dunkelblau).
Viel wichtiger war das neue Heckteil, was nach langer Wartezeit ankam:
(fighters-point, ca. 230€ neu, super Qualität)
Die Wahl war auf ein Einmann-Heck gefallen, weil ich nach dem Unfall die Verantwortung für einen Sozius / eine Sozia nicht übernehmen konnte und wollte.
Irgendwie zeigte meine damalige Freundin dann aber doch Interesse am Motorradfahren und so begab ich mich auf die Suche nach einem passenden Heckteil für Zwei.
Bei der Ducati Monster fand ich es dann auch – das wohl schönste und zugleich kleinste serienmäßig verbaute Heck.
Der Hauptrahmen war in der Zwischenzeit von allen Anbauteilen befreit worden und so transportierte ich ihn, den Heckrahmen und das Heck zu einem Freund in Bayern, der mir den neuen Heckrahmen konstruieren sollte.
Ansonsten wurde der Motor lackierfertig gemacht (Ölentfernung, abschleifen – Scheißarbeit, wer jemals seinen Motor von Dreck befreien musste, weiß wovon ich rede) und die neue Gabelbrücke probeweise angehalten. So wirkte sie natürlich etwas grob, aber das war ja nur ein Vorgeschmack.
Es verging einige Zeit – Zeit, die ich für Planungen nutzte, bis der Heckrahmen fertig war. Irgendwann war es dann doch soweit, es folgte der erste Zusammenbau, ein Check ob alles so funktionieren würde, wie ich es mir gedacht hatte.
An dieser Stelle lasse ich am besten die Bilder sprechen. Mit etwas Vorstellungskraft erkennt man die gedachte Linie, auch wenn alles nur provisorisch zusammengesteckt wurde.
Verbaut ist hier ein sehr kurzes White Power Federbein. Man bedenke, dass es durch die fehlenden Reifen, Motor und das kurze Federbein etwas merkwürdig wirkt.
Diesmal allerdings mit pulverbeschichtetem Rahmen und lackiertem Motor.
Diesmal tat sich Einiges… Entgegen meinem Vorhaben, es bei der originalen Schwinge zu belassen, konnte ich bei einem Schnäppchen nicht widerstehen und so kam ich dann doch zu der preiswerten Einarmschwinge einer Honda VFR 750.
Viel Zeit verging, bis sie endlich eingepasst war und so funktionierte, wie sie sollte. Umfassender Lagertausch und passend angefertigte Distanzen waren da noch das kleinste Problem. Zu Testzwecken passte ich den originalen Umlenkhebel der VFR an, er sollte dann später durch eine gefräste Sonderanfertigung ersetzt werden. Zur Konstruktion der Umlenkung orientierte ich mich an der Yamaha R1.
Durch den Verbau der Einarmschwinge taten sich allerdings neue Problemquellen auf. Der Krümmer führte vorher durch die originale Schwinge hindurch – das war jetzt nicht mehr möglich. Nur das Herumführen zwischen Schwinge und Fußrastenanlage hindurch blieb noch als Ausweg.
Dieser Abschnitt bezieht sich eigentlich nur auf den Heckrahmen selbst.
Es wurden Stahlbleche verschweißt, die existierenden etwas versetzt und weitere Anpassungen vorgenommen, damit er wie geplant Platz für die Batterie, CDI und Regler bieten konnte. Man sieht, wie die Elektronik später vollständig und unsichtbar im Heckrahmen verschwinden wird.
Ein Ende ist in Sicht, mit Neuerungen hält es sich aber in Grenzen. Leider sind es die Kleinigkeiten, die am meisten aufhalten…und leider sieht man davon auch oft nicht viel.
Mittlerweile wurde der Heckrahmen nahezu fertiggestellt (HUV, Soziusrasten, KZH) Er ist allerdings noch nicht komplett, da der Halter fürs Rücklicht angepasst werden muss, der KZH mehr Neigung bekommen soll (weiter nach hinten) und ein später angeschweißtes Abdeckblech fehlt.
Daneben wurde die Einarmschwinge entgültig eingepasst!
Es ergibt sich nun ein Spurversatz von 4mm und ein Kettenversatz von ebenfalls 4mm, allerdings zur anderen Seite. Der Kettenversatz wurde durch eine Distanz an der Getriebeausgangswelle beseitigt. (genug Verzahnung ist noch vorhanden, das Ritzel sitzt satt auf der GAW).
Größtes Problem ist jetzt vor allem der Krümmer…
…und am nächsten Tag war er dann schon fertig!
Es waren heute noch 6h Arbeit mit dem Schweißer zusammen nötig um das hinzubekommen.
Natürlich ohne Frühstück davor und ohne Pause, dafür inkl. 2 netten Brandblasen und Verblitzung – den restlichen Tag und Abend war ich temporär blind.
Vom originalen BOS-Krümmer ist, außer dem Flansch am Zylinder und dem Bogen unter der Schwinge, nicht viel übriggeblieben. Der Rest wurde neu konstruiert – hat sehr viel Spaß gemacht und ging zu zweit doch recht flott.
Endlich ist er angekommen, der gefräste Umlenkhebel!
Die Lager waren schnell umgepresst und die Passform bei der anschließenden Anprobe übertraf meine Erwartungen.
Vergleich:
Eingebaut:
Abgesehen davon existierten allerdings viele weitere Baustellen und Probleme.
Eines davon war der zu kurze Seitenständer...noch dazu kollidierte er mit der Kette. Abhilfe schuf ein Neubau (naheliegend, da ich gerade ein Praktikum in einem metallverarbeitendem Betrieb absolvierte). Die Rohform wurde aufgrund einer Zeichnung per Brennschneider aus massivem Stahl herausgebrannt - 3 Versuche waren nötig um die Form halbwegs zu treffen.
Dann ging es ans Schleifen, Loch und Gewinde wurden gebohrt. Das Rohr (2mm Wandstärke) war zwar nur angeheftet, da aber alles passte, konnte ich direkt verschweißen. Die Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche wären nach dem folgenden Sandstrahlen verschwunden.
Lacksatz! Fertig! Endlich! Die Farbe war genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte.... Der Farbton ist problemlos reproduzierbar, da Originalfarbton der Suzuki GS-500 (Candy Antares Red).
Aus Langeweile neue Bilder ohne großartiges Update.
Kleines Update aus Zeitmangel.
Es wurde der Halter für den externen Behälter des Federbeins aus VA-Blech und Rohrmaterial gebaut.
Es geht langsam vorwärts.
In der Zwischenzeit wurde die Schwinge auf Zentralmutter umgebaut, um die schwarz beschichtete Felge einer Ducati 916 aufzunehmen.
Nach endloser Bastelei am Kabelbaum hinten war es endlich soweit, der erste Startversuch. Und was soll ich sagen – nach wenigen Anlasserumdrehungen sprang sie an, das erste mal seit 2 Jahren Bauzeit.
Damit war der Heckbereich bis auf Kleinigkeiten endlich fertig:
Kräftig geschraubt und am nächsten Tag den Erfolg geerntet.
Bilder vom Motorrad nach der ersten kleinen Probefahrt um den Block. Klein deswegen, weil die vordere Bremsanlage noch nicht funktionstüchtig ist.
Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich, der Sound, der Fahrtwind. Man merkt vielleicht, dass ich es kaum erwarten kann, wieder zu fahren.
Was soll ich sagen...
Sie ist FERTIG!
Alles (incl. Elektronik) funktioniert endlich so wie es soll, ich bin absolut zufrieden.
Unter anderem wurde die Steuerung für den Tankgeber, sowie die brandneuen Kellermann Micro 1000 DF (Rücklicht und Blinker in Einem mit E-Nr.) verbaut und verkabelt.
Nun kommt noch die letzte große Hürde, der TÜV.
Ja, endlich komme ich wieder zu einem Update, lang' ist es her.
TÜV wurde kurz nach Fertigstellung gemacht. Im Prinzip war es ganz einfach. Mit einem dicken Ordner an Beispielen sowie einigen Materialproben fuhr ich hin - und 2 Stunden später wieder nach Hause.
33 Eintragungen waren es insgesamt, alles unproblematisch. Das beweist, dass sich die akribische Genauigkeit gelohnt hat --> absolut keine Mängel!
23.07.2009 - ein unschöner Tag.
Endlich waren alle Hochschulprüfungen vorbei. Schnell nach Hause, alles zusammenpacken und wieder los zum lange geplanten Motorradtreffen. Nur leider verlief nicht alles so, wie es sollte.
Straßenzustand: regennass, ohne Regen (gerade aufgehört).
Vor mir fuhren zwei Autos, das letzte mit einigem Abstand zu mir. Auf die Kreuzung zufahrend bremsten beide - wie ich auch. Während dieser ganz normalen Bremsung gelangte mein Vorderrad auf ein aufgemaltes Stopschild mit ca. 3m Länge und 1,6m Breite.
Das Rad geriet ins Rutschen. Ich löste die Bremse sofort, das Rad fing sich wieder und ich konnte die Maschine einigermaßen halten. Wahrscheinlich wäre es gut ausgegangen... dann kam der Einschlag in den vorausfahrenden Passat.
Die Geschwindigkeit schätze ich vor der Bremsung (Beginn vor dem Stopschild) auf ca. 45km/h, danach waren es ca. 30km/h.
Ohne dieses Stopschild wäre bei normaler Bremsung nie etwas passiert - siehe Bilder des Unfallortes (Seht ihr auf dem zweiten Bild das Stopschild auf der Straße? Nein? Das war das Problem!).
Interessant finde ich den Aspekt, dass das Schild von unten schlichtweg kaum zu sehen ist, also sinnlos.
Noch dazu gibt es eine deutliche Beschilderung, wozu also dieses Zusatzschild an einer uneinsehbaren Stelle.
Resultat: Risswunde am Bein, tauber Knöchel, Verletzungen am Unterbauch (vom Tank), gebrochenes rechtes Handgelenk, Arm im Gips für 6 Wochen, Titanplatte mit 11 Schrauben im Arm für 8 Monate.
Und das trotz vollständiger Schutzkleidung...
Ein paar Worte zum Rahmen selbst:
Eine Schädigung in diesem Ausmaß ist ohne Vorschädigung des Rahmens unmöglich. Nach meinem ersten Unfall wurde der Rahmen vermessen und für tauglich befunden. Möglicherweise hatten sich Mikrorisse gebildet - es hätte reröngt werden müssen. Dies legt die Vermutung nahe, dass bei Aluminiumrahmen generell so vorgegangen werden sollte.
Ich möchte nicht wissen, wieviele SV650 unwissentlich mit einer solchen Vorschädigung herumfahren.
Nebenbei: Die Qualität der Schweißnähte in diesem Bereich ist grauenhaft. Ich finde es bedenklich, dass der Rahmen dort nahezu stumpf aufeinandergeschweißt wurde - siehe Bilder. Der Rahmen ist MITTEN in der Schweißnaht gebrochen.
Man muss doch den Grundgedanken eines "Fighters" am Leben erhalten.
Ich glaube an das was ich mache - es gibt immer einen Ausweg.
Einige Wochen später konnte ich über ein bekanntes Auktionshaus einen SV650 Rahmen sehr günstig ersteigern.
Bis auf die Tatsache, dass ein Gewinde der Kühlerhalterung (letztes Bild) kaputt war, war er wirklich in einem einwandfreien Zustand - ein Schnäppchen. Das Gewinde war dann auch schnell mit einer gängigen Gewindebuchse repariert. Womöglich ist die neue Buchse aus Messing in Alu sogar insgesamt stabiler als das bloße Alugewinde.
Ein neuer Tank wurde auch besorgt - der alte war nicht mehr zu gebrauchen.
Nach einem Date mit dem Beulendoktor war der gebrauche (verbeulte) Tank allerdings wieder schön. Zugegeben, schön ist anders, aber zumindest beulenfrei. Darauf kann man doch aufbauen.
Langsam wird es! :)
Geplant ist ein Hydraulisch gebogener Edelstahlheckrahmen aus 20x2mm Rohrmaterial - lasst euch überraschen.
Neue Ideen:
Wenn ihr das hier wirklich bis zum Ende durchgelesen habt, bleibt nur noch eines zu sagen – danke für das Interesse!
Über Lob, Kritik und Kommentare per E-Mail (-> Kontakt) freue ich mich immer sehr!